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Die kirchlichen Verhältnisse in Gneixendorf

(KR OSTR Pater Dr. Nivard Thomas Konrad OCist - Altpfarrer von Stratzing)

 

"Für eine eigene Pfarrstruktur war Gneixendorf immer zu klein, so dass es immer Teil einer anderen Pfarre war. Für Gottesdienste, Taufen und Begräbnisse war eine größere Pfarre zuständig.

Bis 1778 gehörte Gneixendorf zur Pfarre Krems. Mit Dekret im kaiserlichen Auftrag wurde Gneixendorf am 26. August 1778 der Pfarre Stratzing inkorporiert. Bei diesem Vorgang kamen wohl schon die Gedanken zum Tragen, die dann in der Pfarrregulierung auch anderswo umgesetzt wurden. Es ging dabei darum, dass die Leute innerhalb einer zumutbaren Zeit bzw. auf einer zumutbaren Wegstrecke ihre Pfarrkirche erreichen sollten. An zahlreichen Orten führte dies zur Neuerrichtung von Pfarren, für die häufig auch neue Pfarrkirchen gebaut wurden.

Ein Kirchgang oder Friedhofsgang nach Stratzing war doch nennenswert kürzer als in die Stadtpfarrkirche in Krems. Als erstes Kind in Gneixendorf wurde am 27. August 1778 Matthias Wandl in Stratzing getauft und ebendieser auch als erster Gneixendorfer am 5. September 1778 in Stratzing begraben.

Pfarrer in Stratzing war zur Zeit der Inkorporation von Gneixendorf P. Friedrich Deyerkauff. Anfänglich hatten die Pfarrer noch das Gefühl, dass es sich bei Gneixendorf um etwas Eigenständiges handelt, da sie die Matrikenaufzeichnungen von 1785 bis 1804 für Gneixendorf getrennt führten. Bis heute sind also die Pfarrer von Stratzing auch für Gneixendorf zuständig.


Über hundert Jahre blieb es so, dass die Gneixendorfer am Sonntag nach Stratzing in die Kirche gingen und dass dort ihre Kinder getauft und ihre Toten begraben wurden.

1907 beschlossen die Gneixendorfer von sich aus, unter Bürgermeister Josef Walzer, eine eigene Kirche zu bauen. Der zuständige Pfarrer in Stratzing P. Dominik Weinroter, 

stand diesem Vorhaben zuerst völlig ablehnend gegenüber, weil mit dem Bau ohne seine Zustimmung und, wie er meinte, ohne Notwendigkeit begonnen wurde. Da der Bau trotzdem fortgesetzt wurde, wenn auch weniger groß als ursprünglich geplant, wie der Pfarrer befriedigt bemerkte, milderte sich seine Ablehnung.

Am 22. Oktober 1908 schließlich erteilte Bischof Rößler von St. Pölten die Benützungserlaubnis. Am 9. November 1908 wurde die Kapelle mit großer Feierlichkeit von Franz Thür aus Langenlois unter Anwesenheit der Pfarrer von Droß, Senftenberg und Imbach gesegnet. Zum ersten Male benützt wurde die Kapelle am 13. November 1908 anlässlich einer Begräbnisgedenkmesse für Dr. Karl von Schweitzer. Festgehalten wurde, dass der Pfarrer keine Verpflichtung hat, an Sonn- und Feiertagen oder Wochentagen in Gneixendorf eine Messe zu feiern. Dies sollte nur einige Male im Sommer geschehen und zwar gegen Entrichtung eines Wegegeldes in der Höhe von 5 Kronen (damit hoffte er, den Wunsch nach einer Messe in Gneixendorf auf ein Minimum zu reduzieren).

Eine folgenschwere Neuerung fand 1943 statt. 

 


Im Lager versah zu der Zeit als Wehrmachtssoldat P. Altmann Franz Trettner aus dem Stift Schlierbach seinen Dienst. Er begann nicht nur damit, jeden Sonntag in der Kapelle eine Messe zu feiern, sondern machte auch Gesangsübungen und bildete Ministranten aus. Da dies unter diesen Zeitumständen natürlich nicht so ohne weiteres erwünscht war, wurde P. Altmann bald versetzt und P. Hieronymus Widmayer, damals Pfarrer in Stratzing, mehrmals von der Gestapo vorgeladen worüber er sich in der Chronik bitter beklagt.

Damit war der Durchbruch geschafft und ab diesem Zeitpunkt wurde an allen Sonn- und Feiertagen in Gneixendorf eine hl. Messe gefeiert. P. Leopold Tengg, der 1948 die Pfarre übernahm, war ein großer Förderer der Eigenständigkeit von Gneixendorf. Pater Leopold träumte davon, dass Gneixendorf eine eigene Pfarre werden könnte. Aus heutiger Sicht ist dies in Anbetracht des gegenwärtigen Priestermangels wohl eine Illusion. Trotzdem drängt sich der Gedanke auf, ob in Anbetracht der schnell wachsenden Einwohnerzahl des Stadtteiles Gneixendorf nicht mehr Kristallisationspunkte in Gneixendorf wünschenswert wären."